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Bezieht sich auf SUSE Linux Enterprise Server 15

12 Der Bootloader GRUB 2

In diesem Kapitel wird die Konfiguration von GRUB 2, dem unter SUSE Linux Enterprise Server verwendeten Bootloader, beschrieben. Diese Anwendung ist der Nachfolger des bisherigen Bootloaders GRUB (nunmehr als GRUB Legacy bezeichnet). GRUB 2 ist seit Version 12 als standardmäßiger Bootloader in SUSE® Linux Enterprise Server eingebunden. Für die Konfiguration der wichtigsten Einstellungen steht ein YaST-Modul bereit. Eine Übersicht über den Bootvorgang finden Sie in Kapitel 10, Einführung in den Bootvorgang. Weitere Informationen zur Unterstützung von Secure Boot finden Sie in Kapitel 11, UEFI (Unified Extensible Firmware Interface).

12.1 Hauptunterschiede zwischen GRUB Legacy und GRUB 2

  • Die Konfiguration wird in unterschiedlichen Dateien gespeichert.

  • Es werden mehr Dateisysteme unterstützt (z. B. Btrfs).

  • Dateien auf LVM- oder RAID-Geräten können direkt gelesen werden.

  • Die Benutzeroberfläche kann übersetzt und mit Themen gestaltet werden.

  • Es steht ein Mechanismus zum Laden von Modulen bereit, die weitere Funktionen (z. B. Dateisysteme) unterstützen.

  • Es werden automatisch Boot-Einträge für andere Kernel und Betriebssysteme (z. B. Windows) gesucht und erzeugt.

  • Eine minimale Konsole (ähnlich wie Bash aufgebaut) steht zur Verfügung.

12.2 Konfigurationsdateistruktur

Die Konfiguration von GRUB 2 umfasst die folgenden Dateien:

/boot/grub2/grub.cfg

Diese Datei enthält die Konfiguration der Menüpunkte in GRUB 2. Die Datei ersetzt die Datei menu.lst in GRUB Legacy. grub.cfg wird automatisch mit dem Kommando grub2-mkconfig erzeugt und sollte nicht bearbeitet werden.

/boot/grub2/custom.cfg

Diese optionale Datei wird beim Booten direkt aus grub.cfg erzeugt. Hiermit können Sie benutzerdefinierte Einträge in das Bootmenü aufnehmen. Ab SUSE Linux Enterprise Server werden diese Einträge auch geparst, wenn grub-once verwendet wird.

/etc/default/grub

Diese Datei steuert die Benutzereinstellungen für GRUB 2 und enthält in der Regel zusätzliche Umgebungseinstellungen, beispielsweise Hintergründe und Themen.

Skripte unter /etc/grub.d/

Die Skripte in diesem Verzeichnis werden beim Ausführen des Kommandos grub2-mkconfig gelesen. Die zugehörigen Anweisungen werden in die Hauptkonfigurationsdatei /boot/grub/grub.cfg integriert.

/etc/sysconfig/bootloader

Diese Konfigurationsdatei wird bei der Konfiguration des Bootloaders mit YaST und bei jeder Installation eines neuen Kernels verwendet. Sie wird vom Perl Bootloader evaluiert, der die Bootloader-Konfigurationsdatei (z. B. /boot/grub2/grub.cfg für GRUB 2) entsprechend bearbeitet. /etc/sysconfig/bootloader ist keine GRUB 2-spezifische Konfigurationsdatei; die Werte dieser Datei gelten für alle Bootloader, die unter SUSE Linux Enterprise Server installiert sind.

/boot/grub2/x86_64-efi, /boot/grub2/power-ieee1275, /boot/grub2/s390x

Diese Konfigurationsdateien enthalten architekturspezifische Optionen.

GRUB 2 kann auf mehrere Weisen gesteuert werden. Booteinträge aus einer vorhandenen Konfiguration können im grafischen Menü (Eröffnungsbildschirm) ausgewählt werden. Die Konfiguration wird aus der Datei /boot/grub2/grub.cfg geladen, die aus anderen Konfigurationsdateien kompiliert wird (siehe unten). Alle GRUB 2-Konfigurationsdateien gelten als Systemdateien und Sie benötigen root-Berechtigungen, um sie bearbeiten zu können.

Anmerkung
Anmerkung: Aktivieren von Konfigurationsänderungen

Nach einer manuellen Änderung der GRUB 2-Konfigurationsdateien müssen Sie grub2-mkconfig ausführen, damit die Änderungen in Kraft treten. Wenn Sie die Konfiguration jedoch mit YaST bearbeitet haben, ist dies nicht nötig; grub2-mkconfig wird in diesem Fall automatisch ausgeführt.

12.2.1 Die Datei /boot/grub2/grub.cfg

Hinter dem grafischen Eröffnungsbildschirm mit dem Bootmenü steht die GRUB 2-Konfigurationsdatei /boot/grub2/grub.cfg, die alle Informationen zu allen Partitionen oder Betriebssystemen enthält, die über das Menü gebootet werden können.

GRUB 2 liest bei jedem Systemstart die Menüdatei direkt vom Dateisystem neu ein. Es besteht also kein Bedarf, GRUB 2 nach jeder Änderung an der Konfigurationsdatei neu zu installieren. Beim Installieren oder Entfernen von Kernels wird grub.cfg automatisch neu aufgebaut.

grub.cfg wird mit grub2-mkconfig aus der Datei /etc/default/grub und aus den Skripten im Verzeichnis /etc/grub.d/ kompiliert. Ändern Sie die Datei daher in keinem Fall manuell. Bearbeiten Sie stattdessen die zugehörigen Ursprungsdateien, oder bearbeiten Sie die Konfiguration mit dem YaST-Bootloader-Modul (siehe Abschnitt 12.3, „Konfigurieren des Bootloaders mit YaST“).

12.2.2 Die Datei /etc/default/grub

Hier finden Sie allgemeinere Optionen für GRUB 2, beispielsweise den Zeitraum, über den das Menü angezeigt wird, oder das standardmäßig zu bootende Betriebssystem. Mit dem folgenden Kommando erhalten Sie eine Liste aller verfügbaren Optionen:

tux > grep "export GRUB_DEFAULT" -A50 /usr/sbin/grub2-mkconfig | grep GRUB_

Neben den bereits definierten Variablen kann der Benutzer eigene Variablen festlegen und später in den Skripten im Verzeichnis /etc/grub.d verwenden.

Wenn Sie /etc/default/grub bearbeitet haben, führen Sie grub2-mkconfig aus, damit die Hauptkonfigurationsdatei entsprechend aktualisiert wird.

Anmerkung
Anmerkung: Bereich

Alle in dieser Datei festgelegten Optionen sind allgemeine Optionen, die für alle Booteinträge gelten. Mit den Konfigurationsoptionen GRUB_*_XEN_* legen Sie besondere Optionen für Xen-Kernel oder den Xen-Hypervisor fest. Weitere Informationen finden Sie unten.

GRUB_DEFAULT

Hiermit legen Sie den Bootmenüeintrag fest, der standardmäßig gebootet werden soll. Als Wert ist eine Zahl, der vollständige Name eines Menüeintrags oder der Eintrag saved (Gespeichert) zulässig.

Mit GRUB_DEFAULT=2 wird der dritte Bootmenüeintrag gebootet (gezählt ab 0).

Mit GRUB_DEFAULT="2>0" wird der erste Untermenüeintrag im dritten übergeordneten Menüeintrag gebootet.

Mit GRUB_DEFAULT="Beispiel für Bootmenüeintrag" wird der Menüeintrag mit dem Titel Beispiel für Bootmenüeintrag gebootet.

Mit GRUB_DEFAULT=saved wird der Eintrag gebootet, der mit dem Kommando grub2-once oder grub2-set-default angegeben wurde. Während mit grub2-reboot der Standard-Booteintrag nur für das nächste Neubooten festgelegt wird, bestimmt grub2-set-default den Standard-Booteintrag bis zur nächsten Änderung. grub2-editenv list zeigt den nächsten Booteintrag an.

GRUB_HIDDEN_TIMEOUT

Hiermit wird ein bestimmter Zeitraum (in Sekunden) abgewartet, bis der Benutzer eine Taste drückt. Während dieses Zeitraums wird erst dann ein Menü angezeigt, wenn der Benutzer eine Taste drückt. Wird während des angegebenen Zeitraums keine Taste gedrückt, so wird die Steuerung an GRUB_TIMEOUT übergeben. GRUB_HIDDEN_TIMEOUT=0 prüft zunächst, ob Umschalttaste gedrückt wurde. Falls ja, wird das Bootmenü angezeigt; ansonsten wird sofort der Standard-Menüeintrag gebootet. Dies ist die Standardeinstellung, wenn GRUB 2 nur ein bootfähiges Betriebssystem erkennt.

GRUB_HIDDEN_TIMEOUT_QUIET

Bei false wird ein Countdown-Zähler auf einem leeren Bildschirm angezeigt, wenn die Funktion GRUB_HIDDEN_TIMEOUT aktiv ist.

GRUB_TIMEOUT

Dies ist der Zeitraum (in Sekunden), über den das Bootmenü angezeigt wird, bevor der Standard-Booteintrag automatisch gebootet wird. Sobald Sie eine Taste drücken, wird die Zeitbegrenzung aufgehoben und GRUB 2 wartet darauf, dass Sie manuell die gewünschte Auswahl treffen. Mit GRUB_TIMEOUT=-1 wird das Menü so lange angezeigt, bis Sie den gewünschten Booteintrag manuell auswählen.

GRUB_CMDLINE_LINUX

Die Einträge in dieser Zeile werden an die Booteinträge für den normalen Modus und den Wiederherstellungsmodus angehängt. Hiermit können Sie zusätzliche Kernel-Parameter im Booteintrag angeben.

GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT

Dieser Eintrag entspricht GRUB_CMDLINE_LINUX, jedoch mit dem Unterschied, dass die Einträge nur im normalen Modus angehängt werden.

GRUB_CMDLINE_LINUX_RECOVERY

Dieser Eintrag entspricht GRUB_CMDLINE_LINUX, jedoch mit dem Unterschied, dass die Einträge nur im Wiederherstellungsmodus angehängt werden.

GRUB_CMDLINE_LINUX_XEN_REPLACE

Dieser Eintrag ersetzt sämtliche GRUB_CMDLINE_LINUX-Parameter für alle Xen-Booteinträge.

GRUB_CMDLINE_LINUX_XEN_REPLACE_DEFAULT

Dieser Eintrag entspricht GRUB_CMDLINE_LINUX_XEN_REPLACE, jedoch mit dem Unterschied, dass nur Parameter für GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT ersetzt werden.

GRUB_CMDLINE_XEN

Mit diesem Eintrag werden die Kernel-Parameter ausschließlich für den Xen-Gastkernel bestimmt; die Funktionsweise entspricht GRUB_CMDLINE_LINUX.

GRUB_CMDLINE_XEN_DEFAULT

Dieser Eintrag entspricht GRUB_CMDLINE_XEN; die Funktionsweise entspricht GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT.

GRUB_TERMINAL

Hiermit wird ein Eingabe-/Ausgabe-Terminal-Geräte angegeben und aktiviert. Mögliche Werte sind console (PC-BIOS- und EFI-Konsolen), serial (serielle Terminals), ofconsole (Open-Firmware-Konsolen) sowie der Standardwert gfxterm (Ausgabe im Grafikmodus). Sollen mehrere Geräte aktiviert werden, setzen Sie die Optionen in Anführungszeichen, beispielsweise GRUB_TERMINAL="console serial".

GRUB_GFXMODE

Dies ist die Auflösung für das grafische Terminal gfxterm. Hierbei sind ausschließlich die Modi verfügbar, die von Ihrer Grafikkarte (VBE) unterstützt werden. Die Standardeinstellung lautet „auto“; hiermit wird nach Möglichkeit eine bevorzugte Auflösung ausgewählt. Mit dem Kommando videoinfo in der GRUB 2-Kommandozeile werden die verfügbaren Bildschirmauflösungen für GRUB 2 angezeigt. Zum Öffnen der Kommandozeile drücken Sie C, wenn der GRUB 2-Bootmenübildschirm angezeigt wird.

Außerdem können Sie eine Farbtiefe an die Einstellung für die Auflösung anhängen, z. B. GRUB_GFXMODE=1280x1024x24.

GRUB_BACKGROUND

Hiermit legen Sie ein Hintergrundbild für das grafische Terminal gfxterm fest. Das Bild muss in einer Datei gespeichert sein, die GRUB 2 beim Booten lesen kann, und die Dateinamenerweiterung muss .png, .tga, .jpg oder .jpeg lauten. Falls erforderlich, wird das Bild auf die Bildschirmgröße skaliert.

GRUB_DISABLE_OS_PROBER

Bei true wird die automatische Suche nach anderen Betriebssystemen deaktiviert. Nur die Kernel-Images in /boot/ und die Optionen aus Ihren eigenen Skripten in /etc/grub.d/ werden erkannt.

SUSE_BTRFS_SNAPSHOT_BOOTING

Bei true kann GRUB 2 direkt in Snapper-Snapshots booten. Weitere Informationen finden Sie unter Abschnitt 7.3, „System-Rollback durch Booten aus Snapshots“.

Eine vollständige Liste der Optionen finden Sie im Handbuch zu GNU GRUB. Eine vollständige Liste der zulässigen Parameter finden Sie unter http://en.opensuse.org/Linuxrc.

12.2.3 Skripte in /etc/grub.d

Die Skripte in diesem Verzeichnis werden beim Ausführen des Kommandos grub2-mkconfig gelesen, und die Anweisungen aus diesen Skripten werden in die Datei /boot/grub2/grub.cfg eingegliedert. Die Reihenfolge der Menüpunkte in grub.cfg ergibt sich aus der Reihenfolge, in der die Dateien in diesem Verzeichnis ausgeführt werden. Dateien mit einer Zahl am Anfang des Dateinamens werden zuerst ausgeführt, beginnend mit der niedrigsten Zahl. 00_header wird beispielsweise vor 10_linux ausgeführt, das wiederum vor 40_custom ausgeführt wird. Dateien mit einem Buchstaben an der ersten Stelle im Dateinamen werden nach den Dateien mit Zahlen am Anfang ausgeführt. Nur ausführbare Dateien erzeugen beim Ausführen von grub2-mkconfig eine Ausgabe in grub.cfg. Standardmäßig sind alle Dateien im Verzeichnis /etc/grub.d ausführbar.

Tipp
Tipp: Persistenter benutzerdefinierter Inhalt in grub.cfg

/boot/grub2/grub.cfg wird bei jedem Ausführen von grub2-mkconfig neu kompiliert, sodass benutzerdefinierte Inhalte verloren gehen. Wenn die Zeilen direkt in /boot/grub2/grub.cfg eingefügt werden, damit sie nach dem Ausführen von grub2-mkconfig nicht verloren gehen, fügen Sie sie zwischen den folgenden Stellen ein:

### BEGIN /etc/grub.d/90_persistent ###

und

### END /etc/grub.d/90_persistent ###

Das Skript 90_persistent sorgt dafür, dass diese Inhalte erhalten bleiben.

Hier finden Sie eine Liste der wichtigsten Skripten:

00_header

Hiermit werden Umgebungsvariablen festgelegt, beispielsweise der Speicherort von Systemdateien, Anzeigeeinstellungen, Themen und zuvor gespeicherte Einträge. Außerdem werden die Voreinstellungen aus der Datei /etc/default/grub importiert. In der Regel sind keine Änderungen an dieser Datei notwendig.

10_linux

Hiermit werden Linux-Kernel im root-Gerät erkannt und relevante Menüeinträge erstellt. Hierbei wird auch die zugehörige Option für den Wiederherstellungsmodus berücksichtigt (sofern aktiviert). Auf der Hauptmenüseite wird nur der jüngste Kernel angezeigt; weitere Kernel werden in einem Untermenü aufgeführt.

30_os-prober

Bei diesem Skript werden Linux und andere Betriebssysteme mithilfe von os-prober gesucht und die Ergebnisse werden in das GRUB 2-Menü eingetragen. Das Skript bietet Abschnitte für die Erkennung bestimmter anderer Betriebssysteme (z. B. Windows oder macOS).

40_custom

Mit dieser Datei können Sie schnell und einfach benutzerdefinierte Booteinträge in grub.cfg einbinden. Der Bestandteil exec tail -n +3 $0 am Anfang darf dabei nicht geändert werden.

Die Verarbeitungsreihenfolge ergibt sich aus den Zahlen am Anfang des Skriptnamens, wobei das Skript mit der niedrigsten Zahl zuerst ausgeführt wird. Wenn mehrere Skripte mit derselben Zahl beginnen, entscheidet die alphabetische Sortierung des vollständigen Namens über die endgültige Reihenfolge.

Tipp
Tipp: /boot/grub2/custom.cfg

Wenn Sie /boot/grub2/custom.cfg erstellen und benutzerdefinierte Inhalte eintragen, werden diese Inhalte beim Booten automatisch in /boot/grub2/grub.cfg aufgenommen.

12.2.4 Zuordnung von BIOS-Laufwerken und Linux-Geräten

In GRUB Legacy wurden die Linux-Geräte mithilfe der Konfigurationsdatei device.mapaus den Nummern der BIOS-Laufwerke abgeleitet. Die Zuordnung von BIOS-Laufwerken und Linux-Geräten ist jedoch nicht in jedem Fall fehlerfrei erkennbar. Wenn Sie beispielsweise die Reihenfolge der IDE- und SCSI-Laufwerke in der BIOS-Konfiguration vertauschen, entsteht in GRUB Legacy eine falsche Reihenfolge.

In GRUB 2 werden beim Erzeugen der Datei grub.cfg dagegen Geräte-ID-Zeichenfolgen (UUIDs) oder Dateisystemkennungen erzeugt, damit dieses Problem vermieden wird. In GRUB 2 wird eine interaktive temporäre Gerätezuordnung genutzt, die in der Regel ausreicht, insbesondere bei Systemen mit nur einer Festplatte.

Falls die automatische Zuordnung in GRUB 2 außer Kraft gesetzt werden soll, legen Sie eine benutzerdefinierte Zuordnungsdatei mit dem Dateinamen /boot/grub2/device.map an. Im nachfolgenden Beispiel wird die Zuordnung so geändert, dass DISK 3 das Bootlaufwerk ist. Beachten Sie, dass die GRUB 2-Partitionsnummern mit 1 beginnen, nicht mit 0 wie in GRUB Legacy.

(hd1)  /dev/disk-by-id/DISK3 ID
(hd2)  /dev/disk-by-id/DISK1 ID
(hd3)  /dev/disk-by-id/DISK2 ID

12.2.5 Ändern von Menüeinträgen während des Bootvorgangs

Das direkte Bearbeiten von Menüeinträgen eröffnet einen Ausweg, wenn das System aufgrund einer fehlerhaften Konfiguration nicht mehr gebootet werden kann. Hiermit können Sie außerdem neue Einstellungen testen, ohne die bestehende Systemkonfiguration ändern zu müssen.

  1. Wählen Sie im grafischen Bootmenü den zu bearbeitenden Eintrag mit den Pfeiltasten aus.

  2. Drücken Sie E. Der Texteditor wird geöffnet.

  3. Wechseln Sie mit den Pfeiltasten zur Zeile, die bearbeitet werden soll.

    Booteditor in GRUB 2
    Abbildung 12.1: Booteditor in GRUB 2

    Anschließend haben Sie zwei Möglichkeiten:

    1. Zum Bearbeiten der Kernel-Parameter fügen Sie die gewünschten Parameter (jeweils durch ein Leerzeichen getrennt) am Ende der Zeile an, die mit linux oder linuxefi beginnt. Unter http://en.opensuse.org/Linuxrc finden Sie eine vollständige Liste der Parameter.

    2. Alternativ bearbeiten Sie die zu ändernden Optionen, z. B. die Kernelversion. Mit der Taste →| erhalten Sie die möglichen Vervollständigungsoptionen.

  4. Mit F10 booten Sie das System mit den vorgenommenen Änderungen, mit Esc verwerfen Sie Ihre Änderungen und kehren zum GRUB 2-Menü zurück.

Auf diese Weise vorgenommene Änderungen gelten nur für den aktuellen Bootvorgang und werden nicht dauerhaft gespeichert.

Wichtig
Wichtig: Tastaturbelegung während des Bootvorgangs

Beim Bootvorgang ist nur die amerikanische Tastaturbelegung verfügbar. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter Abbildung 12.2, „US-Tastaturbelegung“.

Anmerkung
Anmerkung: Bootloader auf den Installationsmedien

Die Installationsmedien für Systeme mit herkömmlichen BIOS enthalten nach wie vor GRUB Legacy als Bootloader. Zum Hinzufügen von Bootparametern wählen Sie einen Eintrag aus und beginnen Sie mit der Eingabe. Die Ergänzungen des Installations-Booteintrags werden dauerhaft im installierten System gespeichert.

Anmerkung
Anmerkung: Bearbeiten von GRUB 2-Menüeinträgen auf IBM Z

Für IBM Z gelten andere Cursorbewegungen und andere Bearbeitungskommandos. Weitere Informationen finden Sie unter Abschnitt 12.4, „Unterschiede bei der Terminalnutzung auf IBM Z“.

12.2.6 Festlegen eines Bootpassworts

GRUB 2 unterstützt schon vor dem Booten des Betriebssystems den Zugriff auf Dateisysteme. Dies bedeutet, dass Benutzer ohne root-Berechtigungen auf Dateien des Linux-Systems zugreifen können, auf die sie nach dem Booten keinen Zugriff haben. Um diese Zugriffe oder das Booten bestimmter Menüeinträge zu verhindern, können Sie ein Bootpasswort festlegen.

Wichtig
Wichtig: Booten erfordert ein Passwort

Das Bootpasswort muss dann bei jedem Booten eingegeben werden; das System wird also nicht automatisch gebootet.

Legen Sie das Bootpasswort gemäß den nachfolgenden Anweisungen fest. Alternativ verwenden Sie YaST (Bootloader durch Passwort schützen ).

  1. Verschlüsseln Sie das Passwort mit grub2-mkpasswd-pbkdf2:

    tux > sudo grub2-mkpasswd-pbkdf2
    Password: ****
    Reenter password: ****
    PBKDF2 hash of your password is grub.pbkdf2.sha512.10000.9CA4611006FE96BC77A...
  2. Fügen Sie die resultierende Zeichenfolge zusammen mit dem Kommando set superusers in die Datei /etc/grub.d/40_custom ein.

    set superusers="root"
    password_pbkdf2 root grub.pbkdf2.sha512.10000.9CA4611006FE96BC77A...
  3. Führen Sie grub2-mkconfig aus, damit die Änderungen in die Hauptkonfigurationsdatei importiert werden.

Nach dem Neubooten werden Sie aufgefordert, einen Benutzernamen und ein Passwort einzugeben, sobald Sie versuchen, einen Menüeintrag zu booten. Geben Sie root und das Passwort ein, das Sie mit dem Kommando grub2-mkpasswd-pbkdf2 erstellt haben. Wenn der Berechtigungsnachweis fehlerfrei ist, bootet das System den angegebenen Booteintrag.

Weitere Informationen finden Sie unter https://www.gnu.org/software/grub/manual/grub.html#Security.

12.3 Konfigurieren des Bootloaders mit YaST

Mit dem YaST-Modul ist die Konfiguration des Bootloaders auf Ihrem SUSE Linux Enterprise-Server am einfachsten. Wählen Sie im YaST-Kontrollzentrum die Option System › Bootloader. Das Modul zeigt die aktuelle Bootloader-Konfiguration des Systems und ermöglicht Ihnen, Änderungen vorzunehmen.

Verwenden Sie den Karteireiter Boot-Code-Optionen, um die Einstellungen in Bezug auf Typ, Speicherort und erweiterte Bootloader-Einstellungen anzuzeigen und zu ändern. Sie können festlegen, ob GRUB 2 im Standardmodus oder im EFI-Modus verwendet werden soll.

Bootcode-Optionen
Abbildung 12.2: Bootcode-Optionen
Wichtig
Wichtig: GRUB2-EFI für EFI-Systeme erforderlich

Bei einem EFI-System können Sie nur GRUB2-EFI installieren, da das System ansonsten nicht mehr bootfähig ist.

Wichtig
Wichtig: Neuinstallation des Bootloaders

Um den Bootloader neu zu installieren, muss eine Einstellung in YaST geändert und wieder zurückgesetzt werden. Um beispielsweise GRUB2-EFI neu zu installieren, wählen Sie zuerst GRUB2 aus und wechseln Sie sofort wieder zurück zu GRUB2-EFI.

Ansonsten wird der Bootloader möglicherweise nur zum Teil neu installiert.

Anmerkung
Anmerkung: Benutzerdefinierter Bootloader

Wenn Sie einen anderen Bootloader außer den aufgeführten Bootloadern verwenden möchten, wählen Sie Keinen Bootloader installieren. Lesen Sie die Dokumentation Ihres Bootloaders sorgfältig durch, bevor Sie diese Option auswählen.

12.3.1 Speicherort des Bootloaders und Boot-Code-Optionen

Der Standardspeicherort des Bootloaders ist abhängig von der Partitionseinrichtung – es handelt sich entweder um den Master Boot Record (MBR) oder den Bootsektor der Partition /. Um den Speicherort des Bootloaders zu ändern, gehen Sie wie folgt vor:

Prozedur 12.1: Speicherort des Bootloaders ändern
  1. Wählen Sie den Karteireiter Boot-Code-Optionen und anschließend eine der folgenden Optionen für Speicherort des Bootloaders:

    Booten vom Master Boot Record

    Hiermit wird der Bootloader in den MBR der Festplatte installiert, auf der sich das Verzeichnis /boot befindet. In der Regel ist dies die Festplatte, die in / eingehängt ist. Falls /boot in einer anderen Partition auf einer anderen Festplatte eingehängt ist, wird entsprechend der MBR der anderen Festplatte herangezogen.

    Booten von der root-Partition

    Der Bootloader wird in den Bootsektor der Partition / installiert.

    Benutzerdefinierte Bootpartition

    Mit dieser Option können Sie den Speicherort des Bootloaders manuell angeben.

  2. Klicken Sie zum Anwenden der Änderungen auf OK.

Code-Optionen
Abbildung 12.3: Code-Optionen

Die Registerkarte Boot-Code-Optionen enthält die folgenden zusätzlichen Optionen:

Aktives Flag in Partitionstabelle für Bootpartition festlegen

Aktiviert die Partition, die das Verzeichnis /boot enthält. Bei POWER-Systemen wird die PReP-Partition aktiviert. Verwenden Sie diese Option auf Systemen mit älterem BIOS und/oder älteren Betriebssystemen, da diese Systeme unter Umständen nicht von einer nicht aktiven Partition gebootet werden können. Diese Option kann problemlos aktiviert bleiben.

Generischen Bootcode in MBR schreiben

Wenn der MBR einen benutzerdefinierten „Nicht-GRUB-Code“ enthält, ersetzt diese Option diesen Code durch einen generischen, betriebssystemunabhängigen Code. Wenn Sie diese Option deaktivieren, ist das System eventuell nicht mehr bootfähig.

Secure Boot Unterstützung aktivieren

Startet TrustedGRUB2, womit die Funktion für Trusted Computing (Trusted Platform Module (TPM)) unterstützt wird. Weitere Informationen finden Sie unter https://github.com/Sirrix-AG/TrustedGRUB2.

12.3.2 Anpassen der Festplattenreihenfolge

Wenn der Rechner mit mehreren Festplatten ausgestattet ist, können Sie die Bootreihenfolge für die Festplatten festlegen. GRUB 2 wird auf der ersten Festplatte in der Liste installiert, wenn vom MBR gebootet wird. Auf dieser Festplatte wird SUSE Linux Enterprise Server standardmäßig installiert. Die restlichen Einträge in der Liste bilden Hinweise für den Geräte-Mapper von GRUB 2 (siehe Abschnitt 12.2.4, „Zuordnung von BIOS-Laufwerken und Linux-Geräten“).

Warnung
Warnung: Nicht bootfähiges System

Der Standardwert gilt in der Regel für nahezu alle Bereitstellungen. Wenn Sie die Bootreihenfolge der Festplatten falsch ändern, ist das System beim nächsten Booten unter Umständen nicht mehr bootfähig. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn die erste Festplatte in der Liste nicht in der BIOS-Bootreihenfolge aufgeführt und der MBR der anderen Festplatten in der Liste leer ist.

Prozedur 12.2: Festlegen der Festplattenreihenfolge
  1. Öffnen Sie den Karteireiter Boot-Code-Optionen.

  2. Klicken Sie auf Festplatten-Bootreihenfolge bearbeiten.

  3. Ändern Sie bei mehreren aufgeführten Festplatten deren Reihenfolge mit einem Klick auf Auf oder Ab.

  4. Klicken Sie zweimal auf OK, um die Änderungen zu speichern.

12.3.3 Konfigurieren der erweiterten Optionen

Erweiterte Bootparameter lassen sich über die Registerkarte Bootloader-Optionen konfigurieren.

12.3.3.1 Registerkarte Bootloader-Optionen

Bootloader-Optionen
Abbildung 12.4: Bootloader-Optionen
Zeitlimit des Bootloaders

Zum Ändern des Werts für Zeitüberschreitung in Sekunden geben Sie einen neuen Wert ein, und klicken Sie mit der Maus auf die entsprechenden Pfeilschaltfläche.

Fremdes OS testen

Mit dieser Option sucht der Bootloader nach anderen Systemen, z. B. Windows oder andere Linux-Installationen.

Menü beim Booten verbergen

Blendet das Bootmenü aus und bootet den Standardeintrag.

Anpassen des Standard-Boot-Eintrags

Wählen Sie den gewünschten Eintrag in der Liste Standard-Bootabschnitt aus. Beachten Sie, dass das Zeichen > im Namen des Booteintrags den Bootabschnitt und den zugehörigen Unterabschnitt begrenzt.

Bootloader durch Passwort schützen

Schützt den Bootloader und das System mit einem zusätzlichen Passwort. Weitere Informationen finden Sie unter Abschnitt 12.2.6, „Festlegen eines Bootpassworts“.

12.3.3.2 Registerkarte Kernel-Parameter

Kernel-Parameter
Abbildung 12.5: Kernel-Parameter
Konsolenauflösung

Mit der Option Konsolenauflösung legen Sie die standardmäßige Bildschirmauflösung für den Bootvorgang fest.

Kernel Command Line Parameter (Kernel-Befehlszeilenparameter)

Die optionalen Kernel-Parameter werden an die Standardparameter angehängt. Eine Liste aller zulässigen Parameter finden Sie unter http://en.opensuse.org/Linuxrc.

Grafik-Konsole benutzen

Wenn diese Option aktiviert ist, wird das Bootmenü nicht im Textmodus dargestellt, sondern in einem grafischen Begrüßungsbildschirm. Hierbei können Sie die Auflösung des Bootbildschirms über die Liste Konsolenauflösung festlegen und die Definitionsdatei für das grafische Thema mit der Dateiauswahl Konsolen-Thema.

Serielle Konsole verwenden

Wenn Ihr Computer über eine serielle Konsole gesteuert wird, aktivieren Sie diese Option und geben Sie an, welcher COM-Port in welcher Geschwindigkeit verwendet werden soll. Siehe info grub oder http://www.gnu.org/software/grub/manual/grub.html#Serial-terminal.

12.4 Unterschiede bei der Terminalnutzung auf IBM Z

Auf 3215- und 3270-Terminals gelten bestimmte Unterschiede und Einschränkungen beim Bewegen des Cursors und beim Verwenden von Bearbeitungskommandos in GRUB 2.

12.4.1 Einschränkungen

Interaktivität

Die Interaktivität wird dringend empfohlen. Bei der Eingabe erfolgt häufig keine visuelle Rückmeldung. Zum Ermitteln der Cursorposition geben Sie einen Unterstrich (_) ein.

Anmerkung
Anmerkung: 3270 im Vergleich zu 3215

Das 3270-Terminal bietet eine bessere Darstellung und Bildschirmaktualisierung als das 3215-Terminal.

Cursorbewegung

Die herkömmliche Cursorbewegung ist nicht möglich. Alt, Meta, Strg und die Cursortasten sind nicht funktionsfähig. Bewegen Sie den Cursor mit den Tastenkombinationen in Abschnitt 12.4.2, „Tastenkombinationen“.

Caret

Das Caret ^ dient als Steuerzeichen. Zur Eingabe eines Buchstabens mit Caret ^ geben Sie Folgendes ein: ^, ^, BUCHSTABE.

Geben Sie ein:

Die Eingabetaste-Taste ist nicht funktionsfähig; drücken Sie stattdessen ^J.

12.4.2 Tastenkombinationen

Häufig ersetzt durch:

^J

Erfassen (Eingabetaste)

^L

Abbrechen, zum letzten Status zurückkehren

^I

Karteireiter ausfüllen (im Bearbeitungs- und Shell-Modus)

Verfügbare Tasten im Menümodus:

^A

Erster Eintrag

^E

Letzter Eintrag

^P

Vorheriger Eintrag

^N

Nächster Eintrag

^G

Vorherige Seite

^C

Nächste Seite

^F

Ausgewählten Eintrag booten oder Untermenü öffnen (entspricht ^J)

E

Ausgewählten Eintrag bearbeiten

C

GRUB-Shell öffnen

Verfügbare Tasten im Bearbeitungsmodus:

^P

Vorherige Zeile

^N

Nächste Zeile

^B

Ein Zeichen zurück

^F

Ein Zeichen weiter

^A

Zeilenanfang

^E

Zeilenende

^H

Rücktaste

^D

Löschen

^K

Zeile schließen

^Y

Kopieren

^O

Zeile öffnen

^L

Bildschirm aktualisieren

^X

Eintrag booten

^C

GRUB-Shell öffnen

Verfügbare Tasten im Kommandozeilenmodus:

^P

Vorheriges Kommando

^N

Nächstes Kommando im Verlauf

^A

Zeilenanfang

^E

Zeilenende

^B

Ein Zeichen zurück

^F

Ein Zeichen weiter

^H

Rücktaste

^D

Löschen

^K

Zeile schließen

^U

Zeile verwerfen

^Y

Kopieren

12.5 Nützliche Kommandos in GRUB 2

grub2-mkconfig

Hiermit wird eine neue Datei /boot/grub2/grub.cfg auf der Grundlage von /etc/default/grub und der Skripten in /etc/grub.d/ erzeugt.

Beispiel 12.1: Verwendung von grub2-mkconfig
grub2-mkconfig -o /boot/grub2/grub.cfg
Tipp
Tipp: Syntaxprüfung

Wenn Sie grub2-mkconfig ohne Parameter ausführen, wird die Konfiguration an STDOUT ausgegeben und kann dort abgerufen werden. Zur Syntaxprüfung führen Sie grub2-script-check aus, sobald die Datei /boot/grub2/grub.cfg geschrieben wurde.

Wichtig
Wichtig: Mit grub2-mkconfig können UEFI Secure Boottabellen nicht repariert werden

Wenn Sie UEFI Secure Boot verwenden und Ihr System GRUB 2 nicht mehr ordnungsgemäß erreichen kann, müssen Sie möglicherweise zusätzlich Shim neu installieren und die UEFI-Boottabelle regenerieren. Verwenden Sie hierzu das folgende Kommando:

root # shim-install --config-file=/boot/grub2/grub.cfg
grub2-mkrescue

Hiermit wird ein bootfähiges Rettungs-Image der installierten GRUB 2-Konfiguration erstellt.

Beispiel 12.2: Verwendung von grub2-mkrescue
grub2-mkrescue -o save_path/name.iso iso
grub2-script-check

Hiermit prüfen Sie die angegebene Datei auf Syntaxfehler.

Beispiel 12.3: Verwendung von grub2-script-check
grub2-script-check /boot/grub2/grub.cfg
grub2-once

Hiermit legen Sie den Standard-Booteintrag für den nächsten Bootvorgang fest (dies wird nicht dauerhaft gespeichert). Mit der Option --list erhalten Sie eine Liste der verfügbaren Booteinträge.

Beispiel 12.4: Verwendung von grub2-once
grub2-once number_of_the_boot_entry
Tipp
Tipp: grub2-once-Hilfe

Wenn Sie das Programm ohne Angabe von Optionen aufrufen, erhalten Sie eine vollständige Liste der zulässigen Optionen.

12.6 Weitere Informationen

Umfassende Informationen zu GRUB 2 finden Sie unter http://www.gnu.org/software/grub/. Ausführliche Informationen finden Sie auch auf der Infoseite für das Kommando grub. Weitere Informationen zu bestimmten Themen erhalten Sie auch, wenn Sie GRUB 2 in der Suchfunktion für technische Informationen unter http://www.suse.com/support als Suchwort eingeben.

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